Girokonto überziehen? Was Kosten und Zinsen ausmachen!

Kosten für Kontoüberziehnung berechnen
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Wer sein Girokonot regelmäßig überziehen möchte, sollte sich vorab über damit verbundenen Zinsen auseinandersetzen. Nicht selten können die hohen Kosten eines Dispokredit zu einer Art Schuldenspirale führen.

Zinsen aufgrund einer Kontoüberziehung

Spezielle Gebühren fallen bei der Nutzung von einem Dispositionskredit nicht an. Zwar waren Gebühren für eine Überziehung des Girokonto seitens verschiedener Banken kurzfristig angedacht, doch hat der Bundesverband der Verbraucherzentrale dagegen Klage erhoben. Der Bundesgerichtshof hat 2017 zugunsten der Bankkunden entschieden:
Es dürfen keine pauschalen Gebühren für geduldete Kontoüberziehungen berechnet werden. Der Bundesgerichtshof ist der Ansicht, eine entsprechende Klausel würde die jeweiligen Kunden benachteiligen. Was allerdings rechtsmäßig ist, sind die anfallenden Dispozinsen, die im Vergleich zu normalen Kreditzinsen erheblich ausfallen.

Im Allgemeinen beginnen die Dispositionszinsen bei durchschnittlich 7%. Daneben gibt es aber auch Banken, die für eine geduldete Kontoüberziehung bis zu 16% berechnen. Allerdings muss erwähnt werden, dass hierbei von Jahreszinsen die Rede ist. Problematisch und richtig teuer wird es, wenn das Konto über dem eigenen Dispolimit überzogen wird. Hier können zusätzliche Zinsen im zweistelligen Bereich anfallen, die monatlich für den Betrag über dem Dispolimit berechnet werden. Liegt der Dispo beispielsweise bei 200 EUR, wurde das Konto aber um 250 EUR überzogen, so werden für die 50 EUR Überziehungszinsen und für die 200 EUR Dispozinsen fällig.

Kosten: So werden Dispokredite berechnet

Ein fiktives Beispiel soll aufzeigen, wie sich die Dispo- und Überziehungszinsen berechnen. Ein Bankkunde kann über einen geduldeten Dispo in Höhe von 500,00 EUR verfügen. Für diesen Dispokredit fallen 9,78% Zinsen an. Zur Berechnung der zinsbedingten Kosten eines Dispos gibt es eine spezielle Formel, die im Bankwesen Anwendung findet. „Saldo x Zinssatz x Tage / (Tage im Jahr X 100).

Im nachfolgenden Rechenbeispiel wurde der Dispokredit in Höhe von 500,00 EUR für 17 Tage im Jahr ausgeschöpft. Die Rechnung: 500 EUR x 9,78% x 17 / 36.500 = 2,28 EUR. Das wiederum entspricht einem Betrag von 0,13 EUR pro Tag und Disponutzung. Gefährlich wird es, wenn der Dispo das gesamte Jahr über genutzt wird. In diesem Fall würde nachfolgende Berechnung stattfinden: 500 EUR x 9,78% x 365 / 36.500 = 48,90 EUR.

Schuldenspirale: Deshalb ist ein Dispo nicht (immer) zu empfehlen

Dispokredite sorgen in den meisten Fällen für eine Schuldenspirale, aus der ein Entkommen nur schwer möglich ist. Wer sein Girokonto einmal überzieht, wird es in den folgenden Monaten schwer haben, diese Überziehung eigeständig einzuschränken. Dies gilt im Besonderen, wenn das monatliche Einkommen stets gleichbleibend ist. Sofern ein Dispo vorhanden ist und ausgeschöpft wurde, empfiehlt es sich, monatlich selbständig Einschränkungen festzulegen, um das Konto wieder dauerhaft ins Haben zu bringen. Prinzipiell eignet sich der Dispokredit auch nicht als wirklicher Kredit, etwa für eine besondere Anschaffung.

Nachfolgend ein Beispiel für diesen Zusammenhang. Für eine neue Küche werden 1.500 EUR benötigt. Der Zinssatz für einen Dispokredit beträgt 9,78 %. Nach einem Jahr würde der Dispo 1.500 EUR x 9,78% x 365/36.500 = 146,70 EUR kosten. Für einen Kleinkredit fallen dagegen nur verhältnismäßig geringe Zinsen, etwa in Höhe von 2,45% an. Ein Kredit in Höhe von 1.500,00 EUR, welcher über einen Zeitraum von 12 Monaten abgezahlt wird, kostet beispielsweise bei der Targobank nur 25,80 EUR. Das sind mehr als 100,00 EUR weniger, als der Dispokredit in gleicher Höhe.

Fazit:

Ein Dispokredit kann in gewissen Situationen sehr nützlich und sinnvoll sein. Andererseits ist die Überziehung des Girokontos keinesfalls für größere Anschaffungen geeignet. Statt des Dispokredits empfiehlt sich generell ein normaler Kredit, welcher mit wesentlich günstigeren Zinsen und einer deutlichen Kostenreduzierung punktet. Sollte es dennoch zu einer Disponutzung kommen, ist es ratsam, die Überziehung möglichst schnell auszugleichen. Entscheidend für die Zins- und Kostenberechnung sind unter anderem die genutzten Tage. Weniger Tage bedeuten automatisch geringere Kosten.