Das richtige Girokonto für Enkel finden

Girokonto für Enkelkinder
© fizkes / Adobe Stock

Der größte Denkfehler von Großeltern beim Girokonto für ihre Enkel: Sie gehen von den eigenen Bedürfnissen aus. Wer selbst Filiale und Schalter bevorzugt, wählt für das Enkelkind oft ein Konto, das dessen digitalem Alltag überhaupt nicht entspricht.

Ein Konto für Enkelkinder muss sich komplett per App verwalten lassen und an möglichst vielen Stellen – auch in Supermärkten und Tankstellen – kostenlose Bargeldabhebungen erlauben (Stand: Juli 2026). Das ist genau das Gegenteil dessen, was viele Großeltern selbst von ihrem eigenen Konto erwarten. Wer wirklich helfen will, muss deshalb bewusst altersgerecht denken statt vom eigenen Bankalltag auszugehen.


Ein gutes Enkelkonto orientiert sich am digitalen Alltag des Enkelkindes – nicht am Bankverhalten der Großeltern.

KriteriumEinordnung für Enkelkinder
Typischer KontobedarfRegelmäßige Unterstützung oder größere einmalige Zuwendung durch die Großeltern
Größte KostenfalleKonto nach den eigenen Gewohnheiten der Großeltern statt altersgerecht gewählt
Wichtigstes AuswahlkriteriumVollständige App-Verwaltung und breite kostenlose Bargeldversorgung
Voraussetzung/Nachweis-BesonderheitBei Minderjährigen ist die Unterschrift der Eltern als Erziehungsberechtigte zwingend nötig
Sinnvolle KontomodelleKinder-/Taschengeldkonto mit App-Zugang, ggf. mit gekoppeltem Festgeld oder Sparbrief
Eher nicht sinnvollFilialkonto ohne App, jedes Modell mit Dispomöglichkeit für Minderjährige

Die drei wichtigsten Punkte für Enkelkinder

1. Die Bedürfnisse von Enkel und Großeltern liegen oft weit auseinander

Ältere Menschen nutzen in der Praxis deutlich seltener Online- und Mobile-Banking als jüngere Generationen und legen mehr Wert auf Filiale und persönlichen Kontakt. Enkelkinder dagegen erwarten ein Konto, das sich vollständig per Smartphone verwalten lässt. Wer als Großelternteil ein Konto auswählt, sollte deshalb konsequent aus der Perspektive des Enkelkindes denken, nicht aus der eigenen.


💡 Tipp: Enkelkinder haben einen eigenen Schenkungsteuer-Freibetrag von 200.000 Euro pro Großelternteil, der sich alle zehn Jahre erneuert (§ 16 ErbStG, Stand 2026). Für größere Zuwendungen lohnt sich deshalb eine Planung über mehrere Jahre statt einer einzigen großen Überweisung.

2. Bei minderjährigen Enkeln ist Dispo tabu, Limits sind das Lernwerkzeug

Ein Konto für ein nicht volljähriges Enkelkind darf keinen Dispokredit haben – eine Überziehung ist damit ausgeschlossen. Stattdessen lassen sich über Tageslimits, eine begrenzte Anzahl kostenloser Abhebungen oder gestaffelte Gebühren ab einer bestimmten Anzahl von Lastschriften und Überweisungen gezielt Lerneffekte im Umgang mit Geld erzeugen.

Großfamilie bespricht das Girokonto für die Enkelkinder
Quelle: Mediteraneo / Adobe Stock

3. Bei Volljährigkeit ändert sich die Rolle der Großeltern grundlegend

Sobald das Enkelkind volljährig ist, entscheidet es eigenständig über sein Konto – Großeltern können keine Einschränkungen mehr vorgeben. Sinnvoller wird dann eine Kopplung mit einer Geldanlage wie einem Festgeld, das zu einem bestimmten Zeitpunkt fällig wird, etwa für die erste eigene Wohnung oder den Führerschein.

Minderjähriges Enkelkind

Verfügung: eingeschränkt, teils durch Eltern kontrollierbar

Kontobedarf: Guthabenkonto ohne Dispo, ggf. mit Sparbrief

Passendes Modell: Kinder-/Taschengeldkonto mit Lerneffekt durch Limits

Worauf achten: Unterschrift der Eltern als Erziehungsberechtigte einholen

Volljähriges Enkelkind

Verfügung: vollständig eigenständig

Kontobedarf: Geldanlage mit klarem Zweck und Fälligkeit

Passendes Modell: Girokonto mit gekoppeltem Festgeld oder Prepaid-Kreditkarte für Reisen

Worauf achten: Großeltern können keine Einschränkungen mehr vorgeben

Der häufigste Fehler: Vom eigenen Kontoverhalten ausgehen


⚠️ Achtung: Großeltern wählen ein Konto für ihr Enkelkind häufig nach denselben Kriterien wie für sich selbst – etwa mit Fokus auf Filiale und persönliche Beratung. Enkelkinder wickeln ihren Alltag aber überwiegend digital ab. Ein Konto ohne vollständige App-Funktion wird im Alltag des Enkelkindes schlicht kaum genutzt und verfehlt damit den eigentlichen Zweck der Unterstützung.

Die einfache Lösung: Vor der Kontowahl kurz mit dem Enkelkind (oder den Eltern) sprechen, welche Funktionen im Alltag tatsächlich gebraucht werden, statt aus eigener Erfahrung zu entscheiden.

Das Anforderungsprofil für Enkelkinder

1. Altersgerechte Kontofunktion statt eigener Präferenz

Vollständige App-Verwaltung, kostenlose EC-Karte und ein breites Netz kostenloser Bargeldquellen – auch über Supermärkte und Tankstellen – stehen bei Enkelkonten im Vordergrund, unabhängig davon, wie die Großeltern selbst bankieren.

2. Rechtliche Einbindung der Eltern

Bei minderjährigen Enkeln ist die Unterschrift der Eltern als Erziehungsberechtigte zwingend erforderlich – nicht nur aus Höflichkeit, sondern rechtlich notwendig. Da Eltern oft bereits eigene Geldanlagen für das Kind eingerichtet haben, lohnt sich eine Abstimmung, um doppelte oder unkoordinierte Anlagen zu vermeiden.

3. Struktur der finanziellen Unterstützung festlegen

Regelmäßige kleinere Beträge lassen sich gut über einen Dauerauftrag auf ein Taschengeldkonto oder ein gekoppeltes Tagesgeld abbilden. Für größere, einmalige Zuwendungen bietet sich bei minderjährigen Enkeln ein Sparbrief mit fester Laufzeit an, bei volljährigen Enkeln ein Festgeld mit klarem Fälligkeitszweck.

4. Schenkungsteuerliche Freibeträge im Blick behalten

Enkel können von jedem Großelternteil alle zehn Jahre bis zu 200.000 Euro steuerfrei erhalten (§ 16 ErbStG, Stand 2026). Wer regelmäßig größere Beträge überweist, sollte diese Grenze im Blick behalten – für konkrete Einzelfälle empfiehlt sich steuerliche Beratung.


ℹ️ Hinweis: Konditionen für Kinder- und Jugendkonten sowie gekoppelte Geldanlagen unterscheiden sich je nach Institut und ändern sich laufend. Dieser Artikel ersetzt keine individuelle Steuer- oder Rechtsberatung. Die verbindlichen Angaben stehen in der Entgeltinformation der jeweiligen Bank sowie im Einkommen- bzw. Erbschaftsteuerrecht.

Deine Checkliste für den Kontovergleich

📱

App-Tauglichkeit vor Filialnähe

Konsequent aus Sicht des Enkelkindes wählen, nicht nach den eigenen Bankgewohnheiten.

👫

Eltern frühzeitig einbinden

Unterschrift und Abstimmung mit bestehenden Geldanlagen der Eltern vor der Kontoeröffnung klären.

📉

Dispo-Ausschluss bei Minderjährigen prüfen

Sicherstellen, dass das Konto keine Überziehung erlaubt, solange das Enkelkind minderjährig ist.

🎯

Ziel der Unterstützung klären

Vorab festlegen, ob laufende Beträge oder eine einmalige, zweckgebundene Zuwendung sinnvoller sind.

💶

Schenkungsteuer-Freibetrag im Blick behalten

Bei größeren Beträgen den Freibetrag von 200.000 Euro alle zehn Jahre pro Großelternteil beachten.

Kontomodelle im Vergleich für Enkelkinder

Kontomodell/-kategoriePasst zur Zielgruppe?Worauf achten
Kinder-/Taschengeldkonto mit App-ZugangFür minderjährige Enkel die naheliegendste Wahl
Konto mit gekoppeltem Sparbrief oder FestgeldSinnvoll für zweckgebundene, größere Zuwendungen mit fester Laufzeit
Reines App-/Smartphone-KontoTrifft den digitalen Alltag der meisten Enkelkinder am besten
Konto mit gekoppelter Prepaid-Kreditkarte⚠️Praktisch für reiselustige, meist ältere Enkel; Guthabenlimit klar kommunizieren
Filialkonto mit persönlicher BetreuungEntspricht meist nicht dem digitalen Alltag des Enkelkindes
Paket-/Premiumkonto mit MonatsgebührFür ein Enkelkonto unüblich und unnötig teuer

Häufige Fragen zum Girokonto für Enkelkinder

Können Großeltern allein ein Konto für ihr minderjähriges Enkelkind eröffnen?

Nein. Bei minderjährigen Enkeln ist die Unterschrift der Eltern als Erziehungsberechtigte zwingend erforderlich. Großeltern sollten die Eltern deshalb von Anfang an in die Planung einbeziehen.

Wie viel dürfen Großeltern ihrem Enkelkind steuerfrei schenken?

Der Freibetrag liegt bei 200.000 Euro pro Großelternteil und erneuert sich alle zehn Jahre (§ 16 ErbStG, Stand 2026). Für konkrete Beträge oberhalb dieser Grenze empfiehlt sich eine individuelle steuerliche Beratung.

Was ist sinnvoller: laufende Überweisungen oder eine einmalige größere Schenkung?

Das hängt vom Ziel ab. Laufende kleinere Beträge über einen Dauerauftrag eignen sich gut, um den Umgang mit Geld zu vermitteln. Eine einmalige größere Zuwendung mit fester Laufzeit, etwa über einen Sparbrief oder ein Festgeld, passt eher zu einem konkreten späteren Zweck wie dem Führerschein oder der ersten eigenen Wohnung.

In welchen Schritten finden Großeltern das passende Girokonto für ihr Enkelkind?

  1. 1
    Ziel der Unterstützung festlegen: laufende Beträge oder einmalige Zuwendung mit Zweck
  2. 2
    Alter des Enkelkindes und passende Kategorie eingrenzen: Taschengeldkonto oder Konto mit Geldanlage
  3. 3
    Eltern einbinden und gemeinsam bestehende Geldanlagen für das Enkelkind abgleichen
  4. 4
    Angebote mehrerer Banken vergleichen, insbesondere App-Funktionalität und Bargeldversorgung
  5. 5
    Konto eröffnen, Unterschrift der Eltern einholen und Zuwendungen strukturiert planen

Was ändert sich, wenn das Enkelkind volljährig wird?

Ab der Volljährigkeit entscheidet das Enkelkind eigenständig über sein Konto – Großeltern können keine Einschränkungen mehr vorgeben. Sinnvoll wird dann eher eine Geldanlage mit klarem Zweck und fester Fälligkeit, etwa ein Festgeld für die erste eigene Wohnung, oder ein Konto mit gekoppelter Prepaid-Kreditkarte für reiselustige Enkel.

Das richtige Girkonto für jeden Nutzer:
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