
Ein mit dem Girokonto verknüpftes Tagesgeldkonto ist fast immer kostenlos und bringt aktuell wieder spürbare Zinsen. Der Haken liegt nicht in Strafgebühren – die sind seit einem BGH-Urteil vom Tisch –, sondern darin, dass viele Sparer nach Ablauf des Neukundenzinses stillschweigend auf einen viel niedrigeren Bestandskundenzins zurückfallen.
Der Marktdurchschnitt für Tagesgeld lag Anfang Juli 2026 bei rund 1,95 % p. a. und damit spürbar über dem Niveau der vergangenen Jahre. Neukunden bekommen bei manchen Anbietern befristet sogar bis zu 4 % p. a. Wer sein Geld einfach liegen lässt, ohne den Vertrag im Blick zu behalten, verschenkt regelmäßig einen Teil dieser Rendite.
Der Zins, mit dem ein Tagesgeldkonto beworben wird, ist fast nie derselbe, den es nach ein paar Monaten noch zahlt – wer nicht aktiv vergleicht, verliert leise Rendite.
| Merkmal | Angabe |
|---|---|
| Funktion | Tagesgeldkonto als verzinste Zusatzleistung zum Girokonto |
| Ertrag pro Jahr (ca.) | Marktdurchschnitt rund 1,95 % p. a.; Neukundenangebote befristet bis zu 4 % p. a. (Stand: Juli 2026) |
| Typische Voraussetzung | Meist bestehendes Girokonto bei derselben Bank, für Kombi-Konditionen oft Pflicht |
| Größte Falle | Befristeter Aktionszins läuft aus, Bestandskundenzins fällt danach deutlich niedriger aus |
| Bei welchen Kontomodellen üblich | Praktisch alle Direktbanken und viele Filialbanken |
| Für wen sinnvoll | Für Rücklagen, Notgroschen und geplante Anschaffungen mit täglicher Verfügbarkeit |
Die drei wichtigsten Punkte zum Tagesgeld
1. Die Zinsen sind zurück – aber Neukunden- und Bestandskundenzins klaffen auseinander
Nach Jahren mit Zinsen nahe null zahlen Tagesgeldkonten wieder spürbar. Zum 1. Juli 2026 lag der Marktdurchschnitt bei rund 1,95 % p. a., zehn Basispunkte höher als im Vormonat. Banken fahren dabei zwei unterschiedliche Strategien: Manche zahlen Neu- und Bestandskunden denselben Zins, andere locken mit deutlich höheren Aktionszinsen von bis zu 4 % p. a. für einen befristeten Zeitraum, meist drei bis zwölf Monate, bevor der Zins auf ein niedrigeres Dauerniveau fällt.
2. Strafgebühren auf hohe Guthaben sind seit 2025 vom Tisch
Noch vor wenigen Jahren erhoben etliche Banken ein sogenanntes Verwahrentgelt, wenn Kunden bestimmte Freibeträge überschritten. Der Bundesgerichtshof hat solche Klauseln für Giro-, Tagesgeld- und Sparkonten am 4. Februar 2025 in mehreren Urteilen für unwirksam erklärt. Wer in der Vergangenheit ein Verwahrentgelt gezahlt hat, kann die Rückzahlung bei der eigenen Bank verlangen. Für neu abgeschlossene Tagesgeldkonten spielt das Thema inzwischen kaum noch eine Rolle.

3. Die Kombination mit dem Girokonto lohnt sich meist doppelt
Bei vielen Direktbanken bleibt das Girokonto nur dann dauerhaft gebührenfrei, wenn ein verknüpftes Tagesgeldkonto oder ein bestimmter Kontostand vorliegt. Gleichzeitig ist das verknüpfte Tagesgeld selbst so gut wie immer kostenlos und lässt sich direkt aus dem Online-Banking heraus befüllen, ohne separate Legitimation. Ein eigenständiges Tagesgeld bei einer anderen Bank kann zwar im Einzelfall den höheren Zins bieten, bedeutet aber eine zusätzliche Bankverbindung mit eigenem Log-in.
🔗 Verknüpftes Tagesgeld zum Girokonto
Keine separate Legitimation nötig
Umbuchung sofort im selben Online-Banking
Zins oft solide, selten Marktspitze
Stützt teils die Kostenfreiheit des Girokontos
🏦 Eigenständiges Tagesgeld bei anderer Bank
Eigene Legitimation und eigenes Log-in nötig
Umbuchung dauert je nach Bank 1–2 Werktage
Oft höherer Neukundenzins erreichbar
Unabhängig vom Girokonto-Kontomodell
Der häufigste Fehler
Ein Rechenbeispiel macht den Effekt sichtbar: Bei 10.000 € Guthaben und einem Aktionszins von 4 % p. a. für vier Monate stehen rund 133 € Zinsen zu Buche. Rutscht das Guthaben danach unbemerkt auf einen Bestandskundenzins von etwa 1,5 % p. a., sind es für die restlichen acht Monate nur noch rund 100 € statt der ursprünglich möglichen 267 € bei fortlaufendem Aktionszins. Wer das Enddatum nicht im Kalender hat, bemerkt die Differenz meist erst beim jährlichen Blick auf den Kontoauszug – wenn das Geld längst zum niedrigeren Satz gearbeitet hat.
Die Konditionen
Bedingung für Kostenfreiheit: Die Kontoführung selbst ist beim Tagesgeld praktisch immer kostenlos, unabhängig vom Kontomodell des verknüpften Girokontos. Kosten entstehen so gut wie nie durch das Tagesgeld selbst, sondern höchstens indirekt, wenn ein Girokonto ohne verknüpftes Tagesgeld seine Kostenfreiheit verliert.
Zinsberechnung: Der Zins wird tagesgenau auf das jeweilige Guthaben berechnet und meist monatlich oder jährlich gutgeschrieben. Aktionszinsen gelten häufig nur bis zu einer Höchstsumme, etwa 50.000 €; darüber hinausgehende Beträge werden zum niedrigeren Basiszins verzinst.
Verwahrentgelt: Klauseln zu Negativzinsen auf Giro-, Tagesgeld- und Sparguthaben sind seit dem BGH-Urteil vom 4. Februar 2025 unwirksam. Vereinzelt kursieren in älteren Verträgen noch entsprechende Klauseln – ein Blick ins eigene Preis- und Leistungsverzeichnis schafft Klarheit.
Verfügbarkeit: Ein- und Auszahlungen sind arbeitstäglich unbegrenzt möglich, es gibt weder Kündigungsfrist noch Sperrfrist. Das unterscheidet das Tagesgeld vom Festgeld, bei dem das Geld für eine feste Laufzeit gebunden ist.
Deine Checkliste für das Tagesgeld
Enddatum des Aktionszinses notieren
Trag dir das Ende der Zinsbindung in den Kalender ein, um rechtzeitig vergleichen oder wechseln zu können.
Bestandskundenzins vorab prüfen
Frag schon bei Eröffnung nach dem Zins nach Ablauf der Aktion – nicht erst, wenn er bereits gefallen ist.
Einlagensicherung im Blick behalten
Bei Guthaben über 100.000 € auf mehrere Banken verteilen, um innerhalb der gesetzlichen Einlagensicherung zu bleiben.
Alte Verwahrentgelt-Klauseln prüfen
Wer früher Negativzinsen gezahlt hat, kann diese seit dem BGH-Urteil von 2025 zurückfordern.
Dauerauftrag statt manueller Überweisung
Automatisiere regelmäßige Rücklagen vom Girokonto aufs Tagesgeld, statt jeden Monat manuell zu überweisen.
Tagesgeld im Vergleich
| Szenario | Zinsertrag p. a. (ca.) | Anmerkung |
|---|---|---|
| 5.000 € zum Marktdurchschnitt (1,95 %) | ca. 98 € | Realistischer Basisfall ohne Aktion |
| 5.000 € zum Aktionszins (4 %, 4 Monate) | ca. 67 € für 4 Monate | Danach Rückfall auf Bestandskundenzins |
| 10.000 € ganzjährig zum Aktionszins durchgehalten | ca. 400 € | Nur erreichbar durch Zinshopping oder Neuvertrag |
| 10.000 € nach vergessenem Zinsabfall auf 1,5 % | ca. 150 € statt möglicher 400 € | Typischer Renditeverlust durch Nichtstun |
| Verwahrentgelt bei 65.000 € Guthaben (alte Rechtslage) | – 75 € | Seit BGH-Urteil 02/2025 unwirksam |
| Girokonto ohne verknüpftes Tagesgeld bei Aktivmodell | Kontoführungsgebühr statt Zinsertrag | Bedingung für Kostenfreiheit je nach Bank verfehlt |
Häufige Fragen zum Tagesgeld
Muss das Tagesgeldkonto zwingend bei derselben Bank wie das Girokonto liegen?
Nein. Viele Banken bieten Tagesgeld auch ohne bestehendes Girokonto an. In der Praxis lohnt sich die Verknüpfung aber oft, weil Umbuchungen dann ohne separate Legitimation direkt im selben Online-Banking laufen und manche Girokonten dadurch ihre Kostenfreiheit behalten.
Gibt es noch Strafgebühren, wenn ich viel Geld auf dem Tagesgeld liegen habe?
Seit den BGH-Urteilen vom 4. Februar 2025 sind Klauseln zu Verwahrentgelten auf Giro-, Tagesgeld- und Sparkonten unwirksam. Ganz vereinzelt können in älteren, individuell vereinbarten Verträgen noch Restklauseln bestehen – ein Blick in die eigenen Vertragsunterlagen schafft hier Sicherheit.
Wie wechsle ich zu einem besseren Tagesgeldangebot?
- 1
Aktuellen Zins im eigenen Online-Banking oder Preisaushang nachsehen und mit dem Marktdurchschnitt vergleichen. - 2
Neues Tagesgeldangebot auswählen und dort ein Konto eröffnen, meist online per Video-Ident oder App innerhalb weniger Minuten. - 3
Guthaben vom alten Tagesgeldkonto auf das eigene Girokonto und von dort auf das neue Tagesgeldkonto überweisen; direkte Umbuchungen zwischen zwei Tagesgeldkonten sind selten möglich. - 4
Altes Tagesgeldkonto erst nach Zahlungseingang auf dem neuen Konto schriftlich oder online kündigen.
Zählen Tagesgeldzinsen zur Abgeltungsteuer und dem Sparerpauschbetrag?
Ja. Zinserträge aus Tagesgeld unterliegen der Kapitalertragsteuer und werden auf den Sparerpauschbetrag angerechnet. Wer einen Freistellungsauftrag bei der Bank hinterlegt hat, bekommt Erträge bis zur Freigrenze automatisch ohne Steuerabzug gutgeschrieben.
Ist mein Geld auf dem Tagesgeldkonto sicher?
Guthaben sind über die gesetzliche Einlagensicherung bis 100.000 € pro Kunde und Institut abgesichert, bei manchen Banken durch zusätzliche freiwillige Sicherungssysteme sogar darüber hinaus. Bei Guthaben nahe oder über dieser Grenze lohnt sich eine Aufteilung auf mehrere Institute.
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