Girokonto mit Dispokredit

Dispokredit Girokonto Zinsen recherchieren
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Der Dispokredit steht praktisch jedem Girokonto mit regelmäßigem Geldeingang automatisch zur Verfügung, ohne Antrag und ohne Sicherheiten. Kurzfristig genutzt kostet er kaum etwas. Wer dauerhaft im Minus steht, zahlt dagegen einen der teuersten Kredite am Markt – bei 2.000 € Dauerüberziehung schnell über 200 € Zinsen im Jahr, ohne dass die Schuld dabei kleiner wird.

Der durchschnittliche Sollzins für den Dispokredit lag Anfang 2026 laut einer BaFin-Auswertung von über 6.600 Girokontomodellen bei rund 11,3 % p. a. – mit einer Spanne von etwa 7,5 % bis über 15 % je nach Institut. Wer nur wenige Tage im Minus steht, muss sich darüber kaum Sorgen machen. Wer dauerhaft überzogen ist, sollte genau nachrechnen.

Der Dispokredit ist für zehn Tage fast geschenkt und für ein ganzes Jahr brutal teuer – der Unterschied liegt nicht im Zinssatz, sondern allein in der Dauer der Nutzung.

MerkmalAngabe
FunktionEingeräumte Kontoüberziehung (Dispositionskredit) zum Girokonto
Kosten pro Jahr (ca.)Rund 11,3 % p. a. im Marktdurchschnitt, je nach Institut 7,5–15 %+ (Stand: Frühjahr 2026)
Typische VoraussetzungRegelmäßiger Geldeingang, positive Bonitätsprüfung, Volljährigkeit
Größte FalleDauerhafte Nutzung ohne Tilgung – es gibt keinen Tilgungsplan, die Schuld bleibt gleich hoch
Bei welchen Kontomodellen üblichFast alle außer Basiskonto nach ZKG und reinen Guthabenkonten
Für wen sinnvollNur als kurzfristige Überbrückung bis zum nächsten Geldeingang

Die drei wichtigsten Punkte zum Dispokredit

1. Kurzfristig günstig, dauerhaft einer der teuersten Kredite überhaupt

Die taggenaue Verzinsung ist der entscheidende Mechanismus: Berechnet wird nur der tatsächlich genutzte Betrag für die tatsächliche Anzahl der Tage. 500 € für zehn Tage kosten beim Marktdurchschnitt von 11,3 % p. a. weniger als zwei Euro. Bleiben dieselben 2.000 € ein ganzes Jahr im Minus, werden daraus schnell über 200 € – ohne dass sich am Schuldenstand etwas ändert. Zum Vergleich: Ein klassischer Ratenkredit kostet laut Bundesbank im Schnitt nur rund 8 % effektiven Jahreszins und wird zusätzlich planmäßig getilgt.

💡 Tipp: Rechne den Dispo immer in Jahreskosten um, bevor du ihn als „kleinen Puffer“ abtust – bei Dauernutzung ist er selten klein.

2. Ein unbekannter gesetzlicher Anspruch auf Beratung

Nach § 504a BGB muss die Bank von sich aus eine Beratung anbieten, wenn ein Kunde seine eingeräumte Überziehung sechs Monate ununterbrochen und im Schnitt zu mehr als 75 % des vereinbarten Höchstbetrags ausnutzt. Diese Beratung muss in Textform angeboten und dokumentiert werden und sich mit kostengünstigeren Alternativen sowie den Folgen einer weiteren Überziehung befassen. Lehnt der Kunde ab oder kommt kein Alternativvertrag zustande, muss die Bank das Angebot bei erneutem Erreichen der Schwelle wiederholen – es sei denn, der Kunde hat ausdrücklich auf weitere Angebote verzichtet. Viele Kontoinhaber kennen diesen Anspruch schlicht nicht.

Dispokredit Zinsen und Alternativen recherchieren
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3. Keine Bearbeitungsgebühren mehr – aber ein teurer Aufschlag bei Überschreitung

Pauschale Bearbeitungs- oder Mindestgebühren für die Nutzung des Dispos sind heute nicht mehr zulässig; abgerechnet wird ausschließlich der prozentuale Sollzins auf den genutzten Betrag. Wird jedoch auch der eingeräumte Rahmen überschritten, greift die sogenannte geduldete Überziehung – mit einem durchschnittlichen Zinsaufschlag von rund 4,25 Prozentpunkten gegenüber dem regulären Dispozins, in Einzelfällen bis knapp 20 % Gesamtzins.

📉 Eingeräumter Dispokredit

Vorher vereinbarter Rahmen

Zins: Marktdurchschnitt ca. 11,3 % p. a.

Im Preisverzeichnis ausgewiesen

Für kurzfristige, planbare Engpässe

⚠️ Geduldete Überziehung

Keine vorherige Vereinbarung

Zins: Aufschlag von im Schnitt ca. 4,25 Punkten

Bank kann Zahlung jederzeit ablehnen

Rückführung wird meist sofort fällig

Der häufigste Fehler

⚠️ Achtung: Den Dispo als dauerhaften „Puffer“ stehen zu lassen statt als kurzfristiges Überbrückungsinstrument zu nutzen, kostet über Jahre hinweg mehrere hundert Euro – ohne dass die Schuld jemals kleiner wird.

Anders als bei einem Ratenkredit gibt es beim Dispo keinen Tilgungsplan. Wer 2.000 € dauerhaft im Minus stehen lässt, zahlt bei einem durchschnittlichen Zinssatz Jahr für Jahr rund 226 € Zinsen – über drei Jahre gerechnet weit über 600 €, ohne dass sich am eigentlichen Schuldenstand irgendetwas ändert. Ein Ratenkredit in gleicher Höhe wäre nach spätestens ein bis zwei Jahren getilgt und würde dabei insgesamt deutlich weniger kosten. Der Denkfehler entsteht, weil der Dispo sich nicht wie eine „richtige“ Schuld anfühlt: Es gibt keine Rate, keinen Vertrag, keine Mahnung – nur ein Minus auf dem Kontoauszug, das bequem liegen bleibt.

Die Konditionen

Berechnungslogik: Verzinst wird ausschließlich der tatsächlich in Anspruch genommene Betrag, taggenau und meist quartalsweise abgerechnet. Ein ungenutzter Dispo kostet nichts.

Rahmenhöhe: Der Verfügungsrahmen wird von der Bank anhand von Geldeingang und Bonität festgelegt, typischerweise in Höhe von zwei bis drei Nettomonatsgehältern. Ein eigener Anspruch auf einen Dispokredit besteht nicht – die Bank kann die Einräumung ablehnen oder den Rahmen im Zeitverlauf kürzen.

Geduldete Überziehung: Wird der eingeräumte Rahmen überschritten, greift ein zusätzlicher Zinsaufschlag von im Schnitt rund 4,25 Prozentpunkten. Die Bank ist hier nicht verpflichtet, die Zahlung überhaupt durchzuführen.

Variabler Zins: Der Sollzins ist variabel und kann von der Bank jederzeit angepasst werden – anders als bei einem Ratenkredit gibt es keine Zinsbindung über die Laufzeit.

ℹ️ Hinweis: Der genaue Sollzins steht im Preis- und Leistungsverzeichnis der jeweiligen Bank und ändert sich laufend. Wer eine dauerhafte oder wiederkehrende Überziehung feststellt, sollte prüfen, ob der Beratungsanspruch nach § 504a BGB bereits ausgelöst wurde – unabhängig davon lohnt sich in diesem Fall auch der Kontakt zu einer neutralen Schuldnerberatung.

Deine Checkliste für den Dispokredit

📉

Aktuellen Sollzins prüfen

Schau im Preis- und Leistungsverzeichnis nach, wie hoch dein individueller Dispozins aktuell wirklich ist.

🧾

Dauerhafte Nutzung erkennen

Kontrolliere im Kontoauszug, ob der Dispo tatsächlich nur kurzfristig oder bereits durchgehend genutzt wird.

💶

Alternative durchrechnen

Vergleiche die Dispozinsen mit einem Ratenkredit gleicher Höhe, bevor eine dauerhafte Nutzung zur Gewohnheit wird.

⚖️

Beratungsangebot einfordern

Bei anhaltender hoher Nutzung besteht ein gesetzlicher Anspruch auf ein Beratungsangebot der Bank – notfalls aktiv danach fragen.

👥

Haftung beim Gemeinschaftskonto klären

Beim Oder-Konto haften beide Inhaber für die volle Überziehung, unabhängig davon, wer sie verursacht hat.

Dispokredit im Vergleich

SzenarioZinskosten (ca.)Anmerkung
500 € für 10 Tageca. 1,55 €Klassischer Kurzfrist-Einsatz, unkritisch
1.000 € für 3 Monateca. 28 €Noch vertretbar, Rückführung aber einplanen
2.000 € dauerhaft, 1 Jahr (Marktdurchschnitt)ca. 226 €Der teure Normalfall ohne Tilgung
2.000 € dauerhaft, 1 Jahr (günstigster Anbieter)ca. 150 €Differenz von rund 75 € allein durchs Kontomodell
2.500 € geduldete Überziehung, 1 Monatca. 32 €Aufschlag gegenüber eingeräumtem Rahmen
2.000 € als Ratenkredit, 1 Jahrca. 80–90 €Zum Vergleich; mit fester Tilgung statt Dauerschuld

Häufige Fragen zum Dispokredit

Ab wann wird der Dispokredit wirklich teuer?

Nicht am ersten Tag der Überziehung, sondern mit zunehmender Dauer. Wenige Tage im Minus schlagen kaum zu Buche, weil nur der tatsächlich genutzte Betrag für die tatsächliche Zeit verzinst wird. Kritisch wird es, wenn aus Tagen Wochen und aus Wochen Monate werden.

Habe ich automatisch Anspruch auf einen Dispokredit?

Nein. Die Bank räumt den Rahmen freiwillig ein und prüft dafür Bonität und Geldeingang. Ohne ausreichende Kreditwürdigkeit kann ein Dispokredit abgelehnt oder auf null gesetzt werden.

Wie senke, löse ich meinen Dispo ab oder kündige ihn?

  1. 1
    Aktuellen Rahmen und Sollzins im Online-Banking oder Preisverzeichnis prüfen.
  2. 2
    Bank kontaktieren – telefonisch, per Nachricht im Online-Banking oder in der Filiale – und Senkung oder Kündigung des Rahmens beantragen.
  3. 3
    Bei bestehendem Saldo prüfen, ob eine Umschuldung in einen günstigeren Ratenkredit rechnerisch sinnvoll ist – die eigene Bank oder eine unabhängige Schuldnerberatung kann dabei unterstützen.
  4. 4
    Änderung schriftlich bestätigen lassen und im nächsten Kontoauszug kontrollieren, ob der neue Rahmen bzw. Zinssatz korrekt hinterlegt ist.

Schadet ein eingeräumter, aber ungenutzter Dispokredit meiner Bonität?

Die reine Einräumung des Rahmens wird von den meisten Banken an die Schufa gemeldet, die laufende Nutzung dagegen üblicherweise nicht. Erst eine Kündigung des Dispos durch die Bank oder eine Zahlungsstörung kann zu einem Negativeintrag führen. Die genaue Meldepraxis ist von Institut zu Institut unterschiedlich.

Was passiert, wenn ich meinen Dispo dauerhaft nicht zurückzahlen kann?

Bleibt eine Überziehung dauerhaft bestehen oder wächst weiter, kann die Bank den Dispokredit kündigen und den gesamten Betrag sofort fällig stellen. In diesem Stadium hilft eine unabhängige, kostenlose Schuldnerberatung meist mehr als der Versuch, das Problem allein über das Girokonto zu lösen.

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