Kreditzinsen: Die Entwicklung in 2018

Entwicklung der Kreditzinsen
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Worunter der Sparer litt, darüber freute sich der Kreditnehmer. Die Zinsen auf Geldanlagen und Darlehen sanken gleichermaßen. 2018 dürfte sich diese Entwicklung ändern. Die Kreditzinsen werden nach Meinung vieler Experten zum ersten Mal wieder spürbar steigen, aber vermutlich erst in der zweiten Jahreshälfte.

Rückblick und Ausblick auf die Entwicklung

Der durchschnittliche Kreditzins ist auch 2017 wieder gefallen. Er lag noch im Durchschnitt bei 6,80% und damit um 0,5% niedriger als noch 2015. Für 2016 lag der Durchschnittswert bei 7,10%. Der durchschnittliche Zinssatz für verwendungsfreie Privatkredite lag 2017 bei 4,12% effektiv. 2016 waren es noch 4,23%. Bei den nicht zweckgebundenen Darlehen ist so schon von 2016 auf 2017 zu erkennen, dass sich ein Umschwung bei den Kreditzinsen anbahnt.

Wie „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ berichtet, gehen die deutschen Banken davon aus, dass dieser 2018 endgültig sichtbar wird. Eine Umfrage unter den 27 wichtigsten Darlehensgebern der Bundesrepublik ergab, dass diese damit rechnen, dass der Zinssatz für zehnjährige Bundesanleihen von Anfang 2018 0,4% auf 0,85% bis zum Ende des Jahres klettern wird. Kreditnehmer konkurrieren direkt mit diesen Bundesanleihen. Sie müssen beim Zinssatz den Staat (deutlich) überbieten, um ein Darlehen zu erhalten. Ansonst kauft die Bank Bundesanleihen, weil diese faktisch ausfallsicher sind.

Konkret bedeutet dies, dass die Kreditzinsen, sollten die Banken richtig liegen(!), im Jahresverlauf mindestens um 0,45% klettern werden, um den Zinsanstieg der Bundesanleihen nachzuvollziehen. Aller Wahrscheinlichkeit nach werden die Zinsen allerdings noch stärker steigen. Schuld ist die langsame Kehrtwende in der Geldpolitik bei der Europäischen Zentralbank (EZB).

EZB schränkt Anleihenkaufprogramm ein – Was macht der Leitzins?

Die US-amerikanische Notenbank Fed hat bereits eine vollständige Kehrtwende in der Zinspolitik eingeleitet und in den vergangenen Quartalen den Leitzins stetig angehoben. So weit ist die EZB noch nicht gegangen. Der Leitzins liegt nach wie vor bei 0%. Der Leitzins beschreibt den Betrag, zu welchem Geldhäuser Kredite bei der EZB aufnehmen können. Je günstiger der Leitzins ist, desto günstiger fallen auch die Darlehen für Privatpersonen aus. Die amerikanische Kehrtwende deutet allerdings an, dass auch die EZB den Leitzins 2018 wieder anheben könnte. Europa vollzieht entsprechende Änderungen in der Regel mit einer einjährigen Verzögerung nach.

Aber nicht nur der Leitzins könnte die Entwicklung der Kreditzinsen nach oben treiben. Die EZB hat in den vergangenen Jahren für Summen im zehnstelligen Bereich Staatsanleihen von Euro-Mitgliedern gekauft und so Südeuropa faktisch finanziert. Im Oktober 2017 hat die EZB-Führung bekanntgegeben, dass dieses Ankaufprogramm 2018 drastisch eingeschränkt wird. Die Staaten müssen sich wieder auf dem freien Markt Geld besorgen. Sie müssen deshalb sehr viel höhere Zinsen anbieten als bei den Ankäufen durch die EZB.

Hier greift ein ähnlicher Mechanismus wie bei den Bundesanleihen: Deutsche Kreditgeber können entweder beispielsweise italienische Anleihen für 2% bis 3% kaufen oder das Geld an Privatkunden vergeben. Diese müssen mit ihrem Darlehen die 2% bis 3% überbieten. Griechische Staatsanleihen mit einer Laufzeit von 10 Jahren bringen bereits jetzt eine Rendite von mehr als 4%.

Was bedeutet die Entwicklung für Kreditnehmer?

Wenn Sie ein Darlehen aufnehmen möchten und nach dem geeigneten Zeitpunkt suchen, gilt deshalb: Nehmen Sie den Kredit zeitnah auf. Bislang hat die EZB noch nicht den Leitzins erhöht. Die reduzierten Anleihenkäufe werden in diesen Monaten langsam spürbar. Dieses Problem wird allerdings im Laufe des Jahres immer größer. Wer jetzt einen Kredit aufnimmt, könnte im Vergleich mit Dezember 2018 zwischen 0,7% und 1,0% durchschnittlich bei den Darlehenszinsen sparen.