Girokonto und Tagesgeldkonto: Worin besteht der Unterschied?

Tagesgeld oder Girokonto
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Fast 900 Milliarden Euro halten deutsche Haushalte und Unternehmen aktuell bei Banken. Bei privaten Bankkunden befindet sich dieses Geld meist auf Girokonten und Tagesgeldkonten. Doch wo liegen genau die Unterschiede zwischen diesen Kontotypen.

Unterschiedliche Zwecke: Zahlungsverkehr und Geldanlage

Ein wichtige Unterscheidung betrifft die Zwecksetzung. Ein Girokonto ist ein Konto, dass der Abwicklung des Zahlungsverkehrs des Kontoinhabers dient. Dazu werden laufende Zahlungsein- und ausgänge auf dem Konto gebucht und miteinander verrechnet. In der Fachsprache nennt man das auch „Kontokorrent“. Was nach der Verrechnung übrig bleibt, bildet den Kontosaldo. Ist er positiv, besteht ein Guthaben auf dem Girokonto. Lässt die Bank einen negativen Saldo zu, gewährt sie Kredit. Dafür werden Zinsen in Rechnung gestellt. Die Möglichkeit der Kontoüberziehung bis zu einer bestimmten Grenze – dem Dispolimit – gehört heute zu den üblichen Leistungen von Girokonten. Der Dispokredit wird vor allem dann gewährt, wenn regelmäßige und konstante Zahlungseingänge auf dem Girokonto gegeben sind, zum Beispiel durch Gehaltszahlungen.

Ein Tagesgeldkonto wird dagegen ausschließlich zur Geldanlage eingerichtet. Sein Zweck ist die Erzielung von Zinserträgen. Für Zahlungsverkehr ist das Tagesgeldkonto nicht einsetzbar. Das heißt, es können hier weder Daueraufträge noch Überweisungen durchgeführt werden, ebensowenig ist Lastschrifteinzug möglich. Auch direkte Barabhebungen vom Tagesgeldkonto werden nicht zugelassen.

Um über das Geld auf dem Konto verfügen zu können, ist zuerst eine Umbuchung des gewünschten Geldbetrages auf ein Referenzkonto mit Verfügungsmöglichkeit – in der Regel das Girokonto – erforderlich. Überweisungen von einem anderen Konto auf das Tagesgeldkonto sind dagegen möglich. Aus dem Charakter als Geldanlage ergibt sich logisch, dass ein Tagesgeldkonto nur auf Guthabenbasis geführt wird. Kontoüberziehungen wie beim Girokonto sind hier nicht vorgesehen.

Zinsen: bei beiden Kontotypen möglich

Konten
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Die Verzinsung ist der primäre Zweck beim Tagesgeld. Aber auch auf dem Girokonto kann theoretisch eine Guthaben-Verzinsung stattfinden. In Zeiten von andauernden Niedrig- und Negativzinsen ist sie allerdings fast vollständig aus der Mode gekommen. Früher gab es sie häufiger, inzwischen nur noch ganz vereinzelt. Die Zinsen auf dem Tagesgeldkonto sind variabel und können theoretisch täglich von der Bank geändert werden. In der Regel findet das aber nur in größeren Zeitabständen entsprechend der Kapitalmarktlage statt. Die Zinsgutschrift erfolgt – je nach Anbieter – monatlich, vierteljährlich oder jährlich. Bei unterjähriger Zinszahlung ergibt sich ein Zinseszinseffekt, weil dann auch die zwischenzeitlich angefallenen Zinserträge verzinst werden. Die Verzinsung auf dem Girokonto folgt im Prinzip den gleichen Modalitäten, ist aber – wie gesagt – praktisch fast ohne Bedeutung.

Gebühren: bisher eine „Spezialität“ des Girokontos

Das kostenlose Girokonto ist mittlerweile eher die Ausnahme als die Regel. Im Gegenteil – das Girokonto mit seinen zahlreichen unterschiedlichen Zahlungsverkehrsleistungen ist geradezu dafür prädestiniert, um an der Gebührenschraube zu drehen. Die Banken machen davon reichlich Gebrauch.

Die meisten Banken bieten ihren Kunden unterschiedliche Kontomodelle zur Auswahl an. In der Regel handelt es sich dabei um eine Kombination aus einem nutzungsunabhängigen Grundpreis und nutzungsabhängigen Preisen für Einzelleistungen. Oft findet eine Differenzierung zwischen Online- und Offline-Nutzung statt. Der Phantasie in diesem Bereich sind kaum Grenzen gesetzt.

Im Unterschied dazu sind Gebühren bei Tagesgeldkonten bisher unüblich. Sowohl die Kontoführung als auch Verfügungen werden im Allgemeinen nicht bepreist. Die Kosten für das Tagesgeldkonto werden stattdessen in die angebotene Verzinsung mit einkalkuliert. Im Zuge der Negativzins-Einführung durch die EZB sind allerdings einige Banken inzwischen dazu übergegangen, bei hohen Anlagesummen auf Tagesgeldkonten auch eine Art Negativzins einzuführen. Der wird zwar nicht so genannt, stattdessen wird von „Aufbewahrungsentgelt“ oder „Aufbewahrungsgebühr“ gesprochen. Dies könnte noch mehr Verbreitung finden und auch ein Einstieg in weitere Gebühren bei Tagesgeldkonten sein.

Kein Unterschied bie dir Einlagensicherung

In einem sind sich Girokonto und Tagesgeldkonto gleich – bei der Einlagensicherung. Sofern sich das Geld bei einem Kreditinstitut mit Sitz in Deutschland (oder in der EU) befindet, sind Einlagen bis 100.000 Euro pro Konto und Person gesetzlich gegen Bankausfälle geschützt. Die rechtliche Grundlage dafür bilden entsprechende EU-Vorgaben.

Bei deutschen Instituten bestehen außerdem noch darüber hinaus reichende Sicherungsgarantien. Sie unterscheiden sich danach, wo das Konto besteht – ob bei einer privaten Geschäftsbank, bei einer Sparkasse oder einer Volks- und Raiffeisenbank. Durch diesen Schutz ist auch bei hohen Guthaben ein Geldverlust nahezu ausgeschlossen.